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Achtung: Den genauen Verlauf der Pipeline sehen Sie auf einer anderen Seite!

NATO-Pipeline durch Schwäbisch Gmünd und Aalen

Das Central Europe Pipeline System (CEPS) ist das größte der zehn Pipelinesysteme der NATO. [Link zur offiziellen CEPS-Website]

Es sichert zusammen mit dem Northern Europe Pipeline System (NEPS) die Treibstoff-Versorgung der NATO (NATO Pipeline System, NPS) in Mitteleuropa.

In Deutschland verbindet es im Wesentlichen Luftwaffenstützpunkte in Westdeutschland unter anderem in Büchel, Fürstenfeldbruck, Ramstein, Spangdahlem.

Den Verlauf der Pipeline kann man an oberirdisch aufgestellten, rot-weiß bzw. orange-weiß gestreiften Pfosten erkennen, die auf Sichtweite stehen oder wenn beispielsweise eine Straße oder ein Bach unterquert wird.

Das CEPS war seit den 1950er-Jahren von den Alliierten in Mitteleuropa verlegt worden, um die militärische Treibstoffversorgung sicherzustellen. Verwaltet wurde die Versorgung durch die bundeseigene Industrieverwaltungsgesellschaft (IVG), deren Tochter Fernleitungs-Betriebsgesellschaft (FBG) für die Pipelines zuständig war, während die andere Tochter Vereinigte Tanklager und Transportmittel GmbH (VTG) die Kesselwagen zum Eisenbahn-Transport zur Verfügung stellte. Lediglich die FBG hat sich als bundeseigenes Unternehmen erhalten und ist nun für Transport und Lagerung der Treibstoffe zuständig. Der Sitz befindet sich in Bonn-Bad Godesberg mit der Hauptverwaltung und den Bereichsverwaltungen in Xanten (BV-Nord) und Idar-Oberstein (BV-Süd). Die Rechtsnachfolgerin der IVG, die private IVG Immobilien, betreibt über ihre Tochter IVG Logistik GmbH weitere Tanklager, die an CEPS direkt oder indirekt angeschlossen sind. An das CEPS sind in Deutschland NATO-Tanklager in beziehungsweise bei Lauchheim-Röttingen (Aalen), Altenrath, Mainhausen (Aschaffenburg), Bellheim, Wolsfeld (Bitburg), Boxberg, Bramsche, Wonsheim (Fürfeld), Hademstorf (Hodenhagen), Hohn-Bollbrüg, Untergruppenbach-Obergruppenbach (Heilbronn), Huttenheim, Kork (Kehl), Weichering (Neuburg an der Donau NATO), Littel (Oldenburg), Pfungstadt, Bodelshausen (Tübingen), Würselen und Walshausen (Zweibrücken) sowie nationale Tanklager in Gustavsburg, Honau, Krailling (Unterpfaffenhofen), Oberhausen (Neuburg an der Donau IVG) und Speyer angeschlossen.

1989 lief die Betriebserlaubnis für das zwischen Kehl und Tübingen verlaufende, rund 100 Kilometer lange Teilstück von CEPS aus. Um die Genehmigung zur Wiederaufnahme des Betriebs dieses Teilstücks zu erlangen, musste die Pipeline komplett neu verlegt werden. Am 13. Mai 2006 wurde der neu gebaute Abschnitt nach vier Jahren Bauzeit übergeben. Am 21. Oktober 2008 wurde das letzte 80 Kilometer lange Teilstück der CEPS von Aalen nach Leipheim fertiggestellt.

PumpsationAm 11. Dezember 1984 verübten Terroristen der belgischen Cellules Communistes Combattantes mehrere Anschläge auf das Pipeline-Netz. Am 4. Mai 1985 bekannten sich „illegale Militante“, Sympathisanten der Rote Armee Fraktion (RAF), zu einem Sprengstoffanschlag auf die NATO-Pipeline bei Ehringhausen und am 10. Mai 1985 erneut zu einem Anschlag bei Badbergen. Am 23. September 1985 wurde ein Sprengstoffanschlag auf eine CEPS-Pipeline bei Limburg an der Lahn verübt, bei dem mehr als 10.000 Liter ausliefen. Der Anschlag wurde der RAF zugeschrieben. Am 8. November 1985 versuchten vermutlich Sympathisanten der RAF, einen Sprengstoffanschlag auf die NATO-Pipeline bei Hückelhoven-Baal zu verüben.

Bei freien Kapazitäten nach Abdeckung des militärischen Bedarfs übernimmt die FBG in den von ihr verwalteten Pipeline-Netzen auch Transport und Lagerung von Flug- und Bodenkraftstoffen für zivile Kunden, zum Beispiel die Versorgung von deutschen Zivilflughäfen mit Kerosin oder den Transport von Kerosin aus deutscher Raffinerieproduktion. Stand 2009 gehen rund 90 Prozent der transportierten Kraftstoffe an zivile Abnehmer. Größter ziviler Abnehmer ist der Flughafen Frankfurt am Main.

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Copyright Schwäbische Post, Dienstag, 23. Dezember 2014, Seite 26, Autor und Fotos: Tobias Dambacher

Heute ... im Nato-Tanklager - Adventskalender: Europäische Nato-Pipeline führt auch mitten durch den Ostalbkreis

Zwischen Röttingen und Lauchheim lagern versteckt im Boden mehrere tausend Kubikmeter Kerosin. Die genaue Menge ist geheim. Ein Stahlzaun mit Stacheldraht schützt die Anlage. Es ist ein Nato-Tanklager. Der Zutritt ist streng verboten. "Militärischer Sicherheitsbereich Vorsicht Schusswaffengebrauch" warnt ein Schild.

Lauchhelm-Röttingen. Auf dem grün bewachsenen Hügel ragen mehrere große Blitzschutzantennen in den Himmel. Leise und gleichmäßig zischt Luft aus einem übergroßen grün bemalten Ventil. So, als ob man aus einem Reifen die Luft ablässt. Der Hügel ist ein Tanklager für die Bundeswehr. Gerade wird Kraftstoff hineingepumpt. Deshalb entweicht Luft. Mit dem Kraftstoff werden die Fliegerhorste versorgt. Das Tanklager ist Teil eines großen Pipelinesystems der Nato.

Die Pipeline führt von Kehl über Tübingen nach Aalen. Sie ist Teil des Central Europe Pipeline Systems (CEPS) der Nato und sichert die Treibstoffversorgung vor allem der Luftwaffenstützpunkte, wie zum Beispiel Landsberg in Oberbayern. Zu diesem System gehören zahlreiche Nato-Tanklager, wie zum Beispiel das in Röttingen bei Lauchheim. Hier wird Kerosin eingelagert und je nach Bedarf in Richtung Bayern weitergegeben.

Zur Zeit sind die drei Tanks gut gefüllt. Kerosin für die Luftwaffenstützpunkte Lechfeld, Landsberg und Neuburg. Das Nato-Tanklager liegt versteckt zwischen Lauchheim und Röttingen. Es ist mit einem Zaun und Stacheldraht gesichert. "Militärischer Sicherheitsbereich Vor­sicht Schusswaffengebrauch" warnt ein Schild.

Verlässt man die B29 in Richtung Röttingen, weist nur ein Schild mit dem Buchstabenkürzel "FBG" den Weg. Die Abkürzung steht für die Fernleitungs-Betriebsgesellschaft, die für den Betrieb der Nato-Pipelinesysteme in Deutschland zuständig ist. Nicht sofort ist klar, dass es sich um eine militärische Anlage handelt. Auch die Tanklager selbst sind grün mit Gras überwachsen und fügen sich getarnt in die Landschaft ein. Teil des Verteidigungssystems im Kalten Krieg Zum Gespräch ist neben dem FBG-Betriebsserviceleiter Joachim Elfner und dem Betriebsleiter Uwe Tesche auch eine Sprecherin von der Bundeswehr da­bei. Denn einige Bereiche der Anlage sind geheim und dürfen nicht fotografiert oder im Detail beschrieben werden. "Zur Zeit des Kalten Kriegs war die Anlage Teil des Verteidigungssystems in Richtung Osten", sagt Joachim Elfner. Entsprechend groß war die Geheimhaltung. Dieser Konflikt ist lange vorbei. Deshalb wird das 5000 Kilometer lange Pipelinesystem seit Jahren zurückgebaut. 2000 Kilometer führen durch Deutschland. Was den Ausschlag für die Lage gegeben habe, weiß heute niemand mehr so genau. "Wir befinden uns hier auf 600 Meter Höhe", sagt Elfner. Möglicherweise war dieser Hochpunkt der Grund für den Bau des Lagers bei Röttingen. Denn das Kerosin kommt mit bis zu 80 bar Druck aus Richtung Kehl auf die Ostalb. Dort sorgt eine so genannte Schieberkammer dafür, dass der Druck auf ein bis zwei Bar reduziert wird. Erst dann kann das Kerosin in den Tanks eingelagert werden. Davor wird die Qualität des Treibstoffs vor Ort stündlich kontrolliert. Insgesamt sind im Tanklager Aalen 15 Mitarbeiter für den Betrieb der Anlage und der Pipeline zuständig. Wie viel tausend Kubikmeter Kerosin hier genau lagern, verrät Elfner nicht. Militärgeheimnis. Je nach Bedarf fließt es dann weiter in Richtung Bayern. Dank der Hochlage geht es abwärts etwas einfacher. Vor dem so genannten Auslagern wird die Qualität erneut diesmal von einem Labor genau überprüft. Für den dann nötigen Druck sorgt die Dieselpumpstation auf dem Gelände. Vier mächtige Schiffsmotoren verrichten hier seit dem Start der Anlage zuverlässig ihren Dienst. Womöglich nicht mehr lange. "Sie sollen, wie in anderen Tanklagern auch, durch elektrische Motoren ersetzt werden", sagt Uwe Tesche. Geplant wurde das Nato-Tanklager bei Röttingen in den 70er  Jahren, "In Betrieb genommen wurde es 1986", sagt Elfner. Viel verändert hat sich seitdem nicht. Die Knöpfe im Kontrollraum, die roten Kurbelräder neben den grünen Stahlrohren, das kleine UKW-Radio mit Antenne alles noch wie zu Zeiten des Ost-West­Konflikts.

Fotos: (1.) Ein Teil der Nato-Tanklageranlage. Ein größerer Ausschnitt darf nicht gezeigt werden. Links im Bild das Haus der Pumpstation, im Hintergrund ist das Häuschen eines von drei Tanklagern zu sehen. auf dem es sitzt.

(2.) Ausnahmsweise haben sich die schweren Türen für einen kurzen Blick geöffnet.

(3.) Das Nato-Tanklager wurde in den 70er Jahren geplant und ging 1986 in Betrieb.

(4.) Hier entweicht die Luft beim Befüllen des Lagers.

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Schwäbische Zeitung vom 22.10.2008, von Caroline Faltus

Jetzt fließt der Kraftstoff offiziell nach Leipheim

LAUCHHEIM-RÖTTINGEN - Die NATO-Pipeline Aalen-Leipheim ist gestern im Tanklager Aalen auf der Röttinger Höhe symbolisch in Betrieb genommen worden. 29 Jahre sind seit Projektbeginn verstrichen, jetzt kann der Kraftstoff fließen. Der Abschnitt Aalen-Leipheim ist der jüngste im zentraleuropäischen Pipelinesystem der NATO.

Warum es so lange gedauert hat, bis die 80,5 Kilometer lange Pipeline Aalen-Leipheim fertig war, hat verschiedene Gründe. "In der Vergangenheit gab es Probleme mit der Finanzierung", nennt Matthias Marks, leitender Baudirektor des staatlichen Hochbauamts Reutlingen, einen davon. Außerdem sei zu Beginn des Projekts die Betriebserlaubnis der Trasse Kehl-Tübingen ausgelaufen. "Es machte erst Sinn, den süddeutschen Raum weiter zu vernetzen, als die Trasse erneuert wurde."

Im Jahr 2004 konnte schließlich mit den Bauarbeiten begonnen werden. Gestern haben Götz-Friedrich Baron von der Ropp, Präsident der Wehrbereichsleitung Süd, und Ministerialrat Horst Saal, Geschäftsführer der Fernleitungs-Betriebsgesellschaft (FBG), den Hahn aufgedreht. Die Kosten für den Teilabschnitt Aalen-Leipheim belaufen sich auf 29 Millionen Euro. Wie viel der Bund und wie viel die NATO übernimmt, sei aber noch nicht vollständig geklärt, so Saal.

Das zentraleuropäische Pipelinesystem (CEPS) der NATO versorgt ganz Europa inklusive der Türkei mit Treibstoffen. "Mit rund 5500 Kilometern Rohrleitung ist es das längste Versorgungsnetz", bemerkt Baron von der Ropp. CEPS erstreckt sich auf Deutschland, Frankreich, Belgien, Luxemburg und die Niederlande und verbindet Tanklager, Luftwaffenbasen, Flughäfen, Pumpstationen und Raffinerien miteinander. Mit Inbetriebnahme des Abschnitts Aalen-Leipheim ist nun die unmittelbare Versorgung der militärischen Flughäfen Landsberg und Lechfeld aus dem CEPS sichergestellt. Die FBG habe allerdings auch zivile Kunden, wie der Geschäftsführer betont.

Für die Region bedeutet die Inbetriebnahme der NATO-Pipeline, die sich auf baden-württembergischer Seite von Röttingen bis Nördlingen zieht, vor allem eines: Sicherheit. "Jetzt können wir auf Gefahrenguttransporte auf den Straßen verzichten", erklärt Baron von der Ropp. Was das für Natur und Umwelt bedeute, könne man sich denken.

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Hier die Koordinaten dieser drei unterirdischen NATO-Treibstoff-Tanks zwischen Lauchheim und Röttingen:
48.878891, 10.275471             48.880782, 10.277883            48.877779, 10.275359

Hier die Koordinaten einiger dazu gehörender Versorgungsgebäude:
48.878010, 10.278235             48.879743, 10.278681             48.879613, 10.276861

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